Diskant- bzw. Melodieseite bei einer Steirischen Harmonika

Harmonikalehrer Stefan Kern spielt auf einer Müller Harmonika
Die Steirische Harmonika besteht aus zwei Seiten, der Melodie- und Bassseite. Die Melodieseite befindet sich auf der Seite, wo deine rechte Hand platziert ist. Die Bassseite, befindet sich dort, wo deine linke Hand liegt, wenn du die Harmonika umgehängt hast. Beide Seiten sind durch den Balg miteinander verbunden. Durch das Drücken der Knöpfe und die Bewegung des Balgs entsteht schließlich der Ton. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte zur Melodie- und Bassseite erläutert.

Inhalt

Wozu braucht es einen guten Fingersatz?

Ein guter Fingersatz ist entscheidend, um nicht alles mit den gleichen 2 oder 3 Fingern zu spielen. Die Musik wirkt ruhiger und geschmeidiger, wenn man alle 4 Finger effektiv einsetzen kann. Schnellere Stücke ohne einen guten Fingersatz werden oft unbeholfen klingen und sind auch für den Spieler stressig.

Während einfache Stücke wie die Ennstaler Polka mit 2 Fingern problemlos gespielt werden können, wird es bei schwierigeren Stücken herausfordernd. Viele sind dann nicht daran gewöhnt, auch andere Finger einzusetzen.

Daher der Tipp: Achte von Beginn an auf einen guten Fingersatz und nicht erst, wenn es nicht mehr anders geht.

Der Fingersatz bei der Steirischen Harmonika hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wie groß ist der Griff?
  • Wo war der vorige Griff?
  • Wo muss ich den nächsten Griff spielen?
  • Was möchte man sich angewöhnen?

Daher kann es vorkommen, dass für gleiche Griffe manchmal unterschiedliche Fingersätze verwendet werden.

In unseren Lernvideos erarbeiten wir die Fingersätze immer im Voraus, damit du den bestmöglichen Fingersatz nur noch nachspielen musst. Es gibt jedoch keinen absolut richtigen Fingersatz. Wenn du dich an unsere Empfehlungen hältst, wirst du langfristig den größten Erfolg haben.

Im Laufe der Zeit wirst du feststellen, dass viele Griffe automatisch von der Hand gehen. Du musst nicht mehr über jeden Griff nachdenken. Das Ziel sollte darin bestehen, so unabhängig zu werden, dass du alle Griffe automatisch im Kopf abrufen kannst, ohne darüber nachzudenken. Mit jedem neuen Stück und jedem neuen Griff kommst du diesem Ziel etwas näher, bis du es schließlich unweigerlich erreicht hast.

Dreh- bzw. Gabelgriff?

Der Dreh- und Gabelgriff spielen beim Harmonikaspielen eine wichtige Rolle. Falls du mit diesen Griffen noch nicht vertraut bist, empfehle ich dir dringend, den Anfängerkurs in der Quetschn Academy durchzuarbeiten, da du dort systematisch lernen kannst, wie man sie richtig anwendet.

Wir empfehlen folgende Fingersätze für diese Griffe:

Drehgriff: Verwende entweder Finger 3 und 5 oder 2 und 4!

Gabelgriff: Nutze entweder Finger 2 und 5 oder 3 und 5!

Probiere einfach beide Möglichkeiten aus. Im Idealfall entwickelst du Flexibilität und beherrschst beide Varianten. 

Soll ich mit 4 oder 5 Fingern spielen?

Uns wird oft die Frage gestellt, ob man mit 4 oder 5 Fingern spielen sollte – grundsätzlich verwenden wir in unseren Lernvideos das 4-Fingersystem, wobei wir jedoch auch den Daumen einsetzen, wenn es einfacher ist und Sinn ergibt.

Aus unserer Erfahrung mit bisherigen Schülern wissen wir, dass es auch möglich ist, vom 5-Finger-System auf das 4-Fingersystem umzusteigen.

Wir empfehlen jedoch Anfängern und Neulingen, sich an die vorgeschlagenen Fingersätze in unseren Lernvideos zu halten, da dies den größten Lernfortschritt sowohl kurz- als auch langfristig ermöglicht.

Warum verwenden wir das 4-Fingersystem? Das Anfangen mit dem Daumen als Stütze beschleunigt den Lernprozess erheblich. Stelle dir zum Vergleich vor, du versuchst mit einem Stift zu schreiben, ohne deine Hand abzustützen. Probiere es selbst aus!

Was funktioniert besser: freihändig oder mit Abstützen?

Wo sind welche Reihen?

Bei den Reihen der Steirischen Harmonika zählen wir immer von außen nach innen. Die erste Reihe befindet sich demnach am äußeren Rand des Instruments. Anschließend zählen wir nach innen. Die Reihe, die dem Balg am nächsten ist, wird als die innerste Reihe bezeichnet, also die 4. Reihe. (Bei einer dreireihigen Harmonika ist natürlich die 3. Reihe die innerste.)

Hohe und tiefe Töne?

Auf der Melodieseite verwenden wir manchmal die Begriffe „tiefer“ oder „höher“. Dabei beziehen wir uns auf die Tonhöhe, also den Klang, und nicht auf die Position der Knöpfe. Die hohen Töne befinden sich daher näher am Knie, während die tiefen Töne näher am Kinn zu finden sind.

Halbtöne?

Bei unserer Standard-Diskantbelegung mit 46 Knöpfen haben wir anstelle der beiden tiefsten Töne in der ersten Reihe zwei Halbtöne eingebaut. Diese befinden sich also bei den Knöpfen, die dem Kinn am nächsten sind. Der tiefste Knopf erzeugt einen tiefen Halbton sowohl beim Drücken als auch beim Ziehen des Balgs. Der zweite Knopf erzeugt einen hohen Halbton, ebenfalls beim Drücken und Ziehen.

Welche sind das?

In GCFB wären die Halbtöne gis’ und cis’’ (jeweils einen Halbton höher als die Gleichtöne der zweiten und dritten Reihe). In BEsAsDes e’’ und h’, usw.

Mehr Knöpfe – andere Halbtöne?!

Wenn deine Harmonika mehr Knöpfe hat, besteht die Möglichkeit, dass die Halbtöne nicht nur in der mittleren Lage, sondern vielleicht auch eine Oktave tiefer oder höher platziert sind. Das spielt im Grunde keine Rolle. Du musst lediglich wissen, wo auf deiner Harmonika die beiden Halbtöne sind, die wir in der Regel benötigen. Dann greifst du sie so, wie sie auf deiner Harmonika angeordnet sind.

Was tun, wenn die Harmonika keine Halbtöne hat?

Wenn deine Harmonika keine Halbtöne hat, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Durchschummeln oder Nachrüsten.

Es ist jederzeit möglich, Halbtöne in deine Harmonika einzubauen. Du kannst einfach zu deinem Harmonikabauer oder in dein Musikhaus gehen. Sollte dies nicht möglich sein oder du nicht wissen, wohin du dich wenden kannst, kannst du dich gerne per E-Mail an (info@quetschn.academy) uns wenden.

Wir helfen dir natürlich gerne weiter!

Stefan Kern sitzt mit seiner Steirischen Harmonika auf einer Bank

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