Welche Lernmethoden gibt es auf der Steirischen Harmonika?

Mehr als 100 Jahre, brachten sich Menschen das Harmonikaspielen nach Gehör bei. Ganz nach dem Vorzeigen-Nachmachen-Prinzip. Seitdem hat sich die Art und Weise, wie man Steirische Harmonika lernt, vielseitig weiterentwickelt. In diesem Beitrag werfen wir einen genauen Blick auf die Lernmethoden, die sich durchgesetzt haben, sowie ihre Vor- und Nachteile.

Inhalt

Griffschrift

1975 wurde ein entscheidender Meilenstein in der Harmonika-Geschichte erreicht: Die Griffschrift wurde entwickelt.

Stell dir vor, jeder Knopf auf der Harmonika hat sein eigenes Symbol. Dieses Symbol zeigt dir, wo er sich auf der Harmonika befindet. Wenn du diese Symbole liest, erkennst du, welche Knöpfe du in welcher Reihenfolge drücken musst, um ein Stück zu spielen. Der Rhythmus kann auf dem Notenbild rausgelassen werden.

Notenschrift

Bereits im 10. Jahrhundert gab es Frühformen der Notenschrift, und seither hat sie sich ständigen gewandelt. Wenn wir unsere obige Zeitleiste betrachten, befinden wir uns nun acht Jahre später, im Jahr 1983, als diese Methode populär wurde.

Die Notenschrift ermöglicht es, die genaue Melodie direkt aus den Noten abzulesen. Im Gegensatz zur Griffschrift, bei der vor allem die Knöpfe durch Symbole gezeigt werden, werden bei der Notenschrift nur die Tonhöhen dargestellt, sodass der Spieler selbst den richtigen Knopf zum jeweiligen Ton wissen muss. Noch dazu muss man wissen, ob der Ton auf Zug oder Druck gespielt werden soll.

Die Idee hinter der Notenschrift ist recht simpel: Es gibt ein Notensystem mit 5 Linien, auf denen die Töne notiert werden. Je weiter oben die Note steht, desto höher klingt sie. Je weiter unten sie steht, desto tiefer. Der Melodieverlauf kann also direkt nachvollzogen werden. 

Im Gegensatz zum Klavier ist es etwas schwieriger, die entsprechenden Töne auf der Harmonika zu finden, da die Töne nicht in linearer Reihenfolge angeordnet sind. Beim Klavier entspricht eine Taste weiter links immer einem Ton nach oben. Die Töne am Klavier sind also linear angeordnet.

Beispiel: Wenn wir bei einer Harmonika die 2. Reihe auf Druck nehmen und die Knöpfe vom Kinn (tiefe Töne) bis zum Fuß (hohe Töne) durchgehen, steigt die Tonhöhe nicht um einen, sondern immer um zwei oder sogar um drei Töne an. Das bedeutet, man muss sich die Tonbelegung der Harmonika gut merken, um die Noten den entsprechenden Tönen zuzuordnen.

Wer mitdenkt, fragt sich jetzt vielleicht, was dann eigentlich mit den verschiedenen Stimmungen (BEsAsDes, GCFB usw.) bei der Harmonika ist …

Richtig, da war noch was: Die Notenschrift ist immer in C notiert. C entspricht dann der 2. Reihe. Wenn jemand mit einer BEsAsDes spielt, wird das Notenbild dennoch in C gehalten, aber es klingt dann eben in Es, da die 2. Reihe bei einer BEsAsDes Harmonika Es-Dur ergibt.

Das bedeutet, dass andere Instrumente nicht immer 1:1 mit den Noten mitspielen können, aber es besteht dennoch eine musikalische Logik zwischen dem Melodieverlauf und dem Notenbild. 

Für alle, die noch mehr erfahren wollen:

In Salzburg und Bayern ist es sogar oft üblich, dass sie klingend lesen. Das bedeutet, wenn Musiker mit einer BEsAsDes Harmonika spielen und ein Teil in der 2. Reihe gespielt werden soll, wird dieser auch in Es-Dur notiert. Musiker wissen dann, dass eine Es-Dur ganz anders ausschaut als eine C-Dur. Das ist definitiv die komplizierteste Variante, da man die Tonbelegung aller Harmonika-Stimmungen im Kopf behalten muss.

Lernvideos

2016 begann eine neue Ära des Lernens: Online-Harmonikaschulen wurden ins Leben gerufen. Diese innovativen Plattformen ermöglichen es jedem, das Instrument praktisch von überall aus zu erlernen.

Alles, was dafür benötigt wird, ist das Internet und ein PC (Handy oder Tablet gehen auch). Mithilfe von Videos wird die Tradition des gehörbasierten Lernens von 1870 weitergeführt. 

Die Idee dahinter ist genial. Anstatt an einem festen Ort und zu vorgegebenen Zeiten von einem Lehrer unterrichtet zu werden, greifen Schüler auf eine Fülle von Videos zu – von überall und zu jeder Zeit. Diese Videos ermöglichen es ihnen, ihre Lieblingsstücke nach Gehör zu erlernen, ähnlich wie es zu Anfangszeiten üblich war.

Online-Harmonikaschulen bieten Schülern mehr Flexibilität, sodass sie ihren eigenen Zeitplan gestalten können. Besonders vorteilhaft ist es für diejenigen, die durch Familie, Arbeit, Schule oder Uni sehr eingespannt sind oder an einem Ort leben, an dem es keinen Lehrer gibt. Die Videos können pausiert, wiederholt und zu jedem Zeitpunkt abgespielt werden, wodurch Schüler in ihrem eigenen Tempo lernen.

Wie du siehst haben, die Lernmethoden im Laufe der Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen:

Von der ursprünglichen Gehörbildung und Imitation im Jahr 1870 bis hin zu den modernen Ansätzen der Griffschrift, Notenschrift und Online-Lernvideos hat sich die Art und Weise des Lernens stetig weiterentwickelt.

Letztendlich hängt die Wahl der Lernmethode von deinen individuellen Präferenzen, Zielen und Umständen ab.

Es spricht natürlich nichts dagegen, alles einmal auszuprobieren. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass die Griffschrift heutzutage nur noch wenig Sinn ergibt, angesichts der Verfügbarkeit von Lernvideos.

Vom musikalischen Verständnis her gesehen wäre die Notenschrift am sinnvollsten, aber aus der Praxis weiß ich, dass diese für viele einfach zu komplex ist. Wenn jemand seine Zeit gut einteilen muss und sich Übungszeit gut planen muss, ist es einfach unrealistisch, die Notenschrift so schnell zu erlernen, dass es so leichtfällt wie Zeitungslesen.

Ein grundlegendes Verständnis der Notenschrift kann man bereits nach einem Tag erlangen, aber die Zuordnung der Töne auf der Harmonika, inklusive Zug und Druck, dauert Jahre. Jahre, in denen spieltechnisch auch so einiges möglich ist, wenn man einfach direkt nach Gehör lernt. 😊

Wenn du also einfach spielen möchtest, ohne viel Theorie und Notenlernen, dann lerne und spiele am besten gleich auswendig!

Celia mit einer Steirischen Harmonika um die Schultern

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